Das Impostor-Syndrom bei Coaches – zwischen Selbstzweifel, Anspruch und echter Wirksamkeit
von: Steven | 31.03.2026 | Kategorien: Persönliche Entwicklung, Stressbewältigung
Inhaltsverzeichnis
- Das Impostor-Syndrom bei Coaches: Bist Du wirklich gut genug?
- Was ist das Imposter-Syndrom wirklich?
- Wer ist besonders betroffen? Ein Blick auf die Studienlage
- Warum gerade Coaches besonders anfällig sind
- Der Mechanismus dahinter: Kognitive Verzerrungen
- Die Rolle von Perfektionismus wissenschaftlich betrachtet
- Ein zentraler Perspektivwechsel: Kompetenz ist kein Zustand
- Die paradoxe Wahrheit: Zweifeln gute Coaches öfter?
- Wie Du das Impostor-Syndrom als Coach konkret transformierst
- Der Wendepunkt: Vom Coach mit Selbstzweifel zum Coach mit Selbstvertrauen
- Deine neue Definition von „gut genug“
- Fazit: Das Impostor-Syndrom bei Coaches ist überwindbar
Das Impostor-Syndrom bei Coaches: Bist Du wirklich gut genug?
Das Impostor-Syndrom bei Coaches beginnt oft nicht laut.
Kein dramatischer Moment. Kein offensichtlicher Zusammenbruch. Sondern eher ein stilles, wiederkehrendes Gefühl. Ein Gedanke, der sich einschleicht, während Du ein Coaching vorbereitest oder gerade abgeschlossen hast:
„War das wirklich gut?“
„Habe ich genug Mehrwert geliefert?“
„Hat sich das Coaching für meinen Coachee wirklich gelohnt?“
„Was, wenn ich irgendwann auffliege?“
Wenn Du Dich darin wiedererkennst, dann bist Du nicht allein. Und noch wichtiger: Du bist nicht „falsch“. Was Du erlebst, hat einen Namen. Und es ist wissenschaftlich gut untersucht.
Das sogenannte Impostor-Syndrom. Zu deutsch: das Hochstapler Syndrom.

Was ist das Imposter-Syndrom wirklich?
Der Begriff „Impostor-Syndrom“ wurde erstmals 1978 von den Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes beschrieben. In ihrer grundlegenden Studie untersuchten sie vor allem hochqualifizierte Frauen, die trotz objektiver Erfolge überzeugt waren, ihre Leistungen seien nicht echt verdient, sondern das Resultat von Glück, Zufall oder Täuschung.
Seitdem wurde das Phänomen vielfach weiter erforscht. Heute spricht man häufig von „Impostor Phenomenon“, da es sich nicht um eine klinische Störung, sondern um ein psychologisches Muster handelt.
Typische Merkmale sind:
- Das Gefühl, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben
- Die Angst, als „Betrüger“ entlarvt zu werden
- Das systematische Abwerten eigener Leistungen
- Das Zuschreiben von Erfolgen an externe Faktoren (Glück, Timing, andere Personen)
- Ein überdurchschnittlich hoher innerer Leistungsdruck
- Das Relativieren der eigenen Fähigkeiten
Wichtig ist: Diese Gedanken entstehen nicht, weil Du tatsächlich inkompetent bist. Sie entstehen oft gerade dann, wenn Du kompetent bist, aber Dein Selbstbild noch nicht mit Deiner tatsächlichen Entwicklung Schritt gehalten hat. Das kann ganz unterschiedliche Gründe mit sich bringen.
Wer ist besonders betroffen? Ein Blick auf die Studienlage
Lange Zeit ging man davon aus, dass vor allem Frauen unter dem Impostor-Syndrom leiden. Die ursprüngliche Studie von Clance & Imes (1978) fokussierte sich ausschliesslich auf Frauen im akademischen Umfeld.
Neuere Forschung zeigt jedoch ein differenzierteres Bild:
1. Geschlecht: Kein klarer Unterschied – aber unterschiedliche Ausdrucksformen
Meta-Analysen (z. B. Bravata et al., 2020, Journal of General Internal Medicine) zeigen, dass sowohl Männer als auch Frauen betroffen sind. Die Prävalenz liegt je nach Studie zwischen 9 % und 82 %, was vor allem an unterschiedlichen Messmethoden liegt.
Der Unterschied liegt weniger in der Häufigkeit, sondern eher im Umgang:
- Frauen neigen stärker dazu, ihre Erfolge zu externalisieren („Ich hatte Glück“)
- Männer kompensieren häufiger durch Überleistung oder vermeiden Situationen, in denen sie sich unsicher fühlen
2. Hochleistungsumfelder und Bildungsgrad
Das Impostor-Syndrom tritt besonders häufig auf bei:
- Akademikern
- Führungskräften
- Selbstständigen
- Personen in kreativen oder beratenden Berufen
Eine Studie von Sakulku & Alexander (2011) zeigt, dass insbesondere Menschen mit hohem Bildungsniveau und hohen Ansprüchen an sich selbst betroffen sind.
Warum?
Weil sie sich ständig in Kontexten bewegen, in denen sie sich vergleichen, bewerten und weiterentwickeln.
3. Übergangsphasen und neue Rollen
Ein besonders kritischer Moment ist der Übergang:
- Vom Angestellten zum Coach
- Vom Lernenden zum Experten
- Vom Teilnehmer zur Führungsperson
Gerade Coaches befinden sich oft genau in diesem Spannungsfeld.
Du bist nicht mehr „nur Lernender“, aber fühlst Dich vielleicht noch nicht vollständig als „Experte“.
Und genau in dieser Lücke entsteht Unsicherheit.
4. Persönlichkeitsmerkmale
Studien zeigen eine starke Korrelation mit bestimmten Persönlichkeitsfaktoren:
- Perfektionismus
- hohe Selbstkritik
- geringe Selbstwirksamkeitserwartung
- großes Verantwortungsgefühl
Menschen mit diesen Eigenschaften setzen sich oft selbst unter enormen Druck. Und genau dieser Druck verstärkt das Impostor-Erleben.

Warum gerade Coaches besonders anfällig sind
Wenn man die Studienlage mit dem Berufsbild des Coaches verbindet, wird schnell klar, warum dieses Thema so präsent ist. Coaching ist kein klar messbarer Beruf. Du arbeitest nicht mit standardisierten Ergebnissen. Du arbeitest mit Menschen, Prozessen und Veränderung.
Das bedeutet:
- Ergebnisse sind oft subjektiv
- Fortschritt ist nicht immer sofort sichtbar, sondern benötigt Zeit
- Wirkung ist teils schwer quantifizierbar
Und genau das erzeugt Unsicherheit.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor:
Coaches reflektieren sich in der Regel überdurchschnittlich stark.
Das ist grundsätzlich eine Stärke. Doch der Schuss kann auch mal nach hinten losgehen, wenn aus der Selbstreflexion eher Selbstsabotage wird.
Reflexion wird dann zu Selbstkritik.
Bewusstsein wird zu Zweifel.
Anspruch wird zu Druck.
Der Mechanismus dahinter: Kognitive Verzerrungen
Das Impostor-Syndrom ist eng verbunden mit bestimmten Denkfehlern, sogenannten kognitiven Verzerrungen.
Einige der häufigsten:
1. Selektive Wahrnehmung
Du erinnerst Dich stärker an Fehler als an Erfolge. Ein gelungenes Coaching wird als „normal“ abgetan. Ein schwieriger Moment wird überbewertet.
2. Attribution Bias
Erfolge werden extern erklärt, Misserfolge intern.
Erfolg = Glück oder Zufall
Misserfolg = eigene Inkompetenz
3. Alles-oder-nichts-Denken
Du bewertest Dich in Extremen.
„Entweder war das Coaching perfekt – oder eben schlecht.“
Zwischentöne gehen verloren. Diese Denkmuster bestehen nur aus "Schwarz" oder "Weiß". Diese Denke führt oft zu Selbstzweifeln und einer verminderten Selbstakzeptanz.
4. Zukunftsprojektion
Du gehst davon aus, dass Deine Unsicherheit irgendwann „aufgedeckt“ wird. Ohne reale Grundlage.
Du denkst:
"Ich werde früher oder später als Hochstapler entlarvt!"
Die Rolle von Perfektionismus wissenschaftlich betrachtet
Perfektionismus ist einer der stärksten Prädiktoren für das Hochstapler-Syndrom.
Die Forschung unterscheidet zwischen:
- funktionalem Perfektionismus (hohe Standards, aber flexibel)
- dysfunktionalem Perfektionismus (starre, unerreichbare Erwartungen)
Letzterer ist problematisch.
Er führt dazu, dass:
- Leistungen nie ausreichen
- Fortschritte nicht anerkannt werden
- Selbstwert an Leistung und Ergebnisse gekoppelt wird
Für Coaches ist das besonders kritisch.
Denn Coaching lebt nicht von Perfektion oder finalen Ergebnissen.
Es lebt von Beziehung, Präsenz, Anpassungsfähigkeit und Entwicklung. Coaching ist ein Prozess und kein Wundermittel, das auf Knopfdruck das Blaue vom Himmel holt.

Ein zentraler Perspektivwechsel: Kompetenz ist kein Zustand
Viele Coaches (aber nicht nur die) denken unbewusst:
„Ich muss erst gut genug sein, bevor ich wirksam sein kann.“
Die Forschung und Praxis zeigen jedoch etwas anderes:
Kompetenz entwickelt sich im Handeln.
Das nennt man in der Psychologie „Selbstwirksamkeit“ (Bandura, 1977).
Selbstwirksamkeit entsteht durch:
- eigene Erfahrungen
- bewältigte Herausforderungen
- erlebte Fortschritte
Nicht durch reines Wissen.
Das bedeutet:
Du wirst nicht durch Vorbereitung sicher.
Du wirst durch Erfahrung sicher.
Die paradoxe Wahrheit: Zweifeln gute Coaches öfter?
Eine der spannenden Erkenntnisse aus der Forschung geht auf David Dunning und Justin Kruger zurück. Die beiden waren in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts Sozialpsychologen an der Cornell University im Bundesstaat New York. Sie kamen zu dem Schluss, dass vermeintlich inkompetente Menschen (z.B. beim Autofahren oder Schachspielen) dazu neigen
- ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen
- überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht erkennen
- das Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht korrekt einschätzen.
Dieses Phänomen wird seither als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet.
Den inneren Kritiker anerkennen und Expertise aufbauen
Können wir nun daraus schließen, dass vermeintlich gute Coaches mehr zweifeln als weniger gute oder erfahrene Coaches?
Eventuell schon.
Doch Dunning und Kruger schlossen darüber hinaus, dass Menschen, die wenig über ein Thema wissen sich eher besser einschätzen als Menschen, die bereits eine gewisse Erfahrung aufgebaut haben. Das würde heißen, dass frischgebackene Coaches weniger gefährdet sind sich zu überschätzen als ihre erfahreneren Coaching-Kollegen.
Darüber hinaus stellten die beiden Psychologen fest, dass Menschen, die ihre Kompetenzen und Fähigkeiten durch Ausbildung und Übung verbessern, sich selbst und andere besser einschätzen können.
Ergo: Die Coaches, die eine fundierte Coaching-Ausbildung absolvieren und sich stetig weiterbilden und üben, stärken zugleich ihre Selbsteinschätzung und damit zugleich ihre Expertise.
Wie Du das Impostor-Syndrom als Coach konkret transformierst
Doch kehren wir zurück zum Impostor-Syndrom bei Coaches...
Es geht nicht darum, Zweifel zu verdammen oder zu leugnen. Es geht darum, Deine Beziehung zu ihnen zu verändern. Und es geht darum, Dir die Zweifel bewusst zu machen und sie aufzulösen. Denn eine Sache ist definitiv Gift für einen Coach: wenn Dein Coachee Zweifel und Unsicherheit bei Dir als Coach spürt. Erst recht, wenn diese eigentlich völlig ungerechtfertigt sind, da Du Dein Handwerk als Coach gewissenhaft und kompetent anwendest.
1. Evidenzbasierte Selbstreflexion
Statt Dich zu fragen:
„War ich gut genug?“
Frage Dich besser:
„Was genau ist geschehen?“
„Welche konkreten Wirkungen konnte ich beobachten?“
Das bringt Dich weg von der nackten Bewertung (Schwarz-Weiß-Denken), hin zur Beobachtung und Analyse.
Frage Dich darüber hinaus auch:
„Was habe ich gut gemacht?“
„Was hätte ich besser machen können?“
„Was möchte ich in meinem nächsten Coaching anders machen?“
Mit diesen Fragen kannst Du eine sachliche Analyse Deiner Coachings durchführen. Du fokussierst Dich auf die Sachebene und nicht die Emotionsebene. So machst Du Dir Deine Erfolge bewusst (und wenn es "nur" kleine Erfolge sind), entdeckst allerdings auch, was Du noch verbessern kannst. Und das ist ganz wichtig, denn es gibt immer etwas zu verbessern.
2. Feedback systematisch integrieren
Studien zeigen, dass externes Feedback ein wichtiger Faktor ist, um verzerrte Selbstbilder zu korrigieren.
Nutze zu diesem Zweck:
- strukturierte Feedbackbögen
- Nachgespräche
- Supervision
- Mentoring
- Austausch mit anderen Coaches
Nicht als Bestätigung, sondern als wertvolle Datenbasis. Hierbei wirst Du sehr schnell bemerken, ob Deine Selbstreflexion und die externe Einschätzung identisch sind oder (stark) voneinander abweichen.
3. Aufbau einer stabilen und professionellen Identität
Frage Dich nicht nur:
„Was kann ich?“
Sondern auch:
„Wer bin ich als Coach?“
Eine klare Identität reduziert Unsicherheit. Mach Dir in diesem Zusammenhang unmittelbar vor der Begegnung mit Deinem nächsten Coachee bewusst, in welcher Rolle Du ihm gleich begegnen möchtest.
Du bist jetzt weder in der Rolle des Vaters, der Mutter, des Sohnes oder der Teamkollegin im Sport. Du bist jetzt in Deiner Rolle als selbstbewusster und kompetenter Coach. Du strahlst Vertrauen, Sicherheit und innere Überzeugung aus. Du gibst Deinem Klienten das Gefühl, dass er bei Dir gut aufgehoben ist, gerade dann, wenn es auch mal herausfordernd oder emotional wird. Sei Dir in diesem Zusammenhang bewusst:
„Mit jedem absolvierten Coaching lerne ich dazu, werde ich besser und baue ich Selbstvertrauen auf."
4. Aufbau der Selbstwirksamkeit und Verarbeitung des Impostor-Syndroms
Etwaige Gefühle wie Unsicherheit, Selbstzweifel oder das Gefühl nicht zu genügen haben ihren Ursprung. Aus unserer Erfahrung liegt dieser in der Regel in der Vergangenheit und ist im Unterbewusstsein versteckt. Daher ist es wichtig, dass Du als Coach mit dem richtigen Coaching-Methoden diesen negativ behafteten Emotionen und Gedanken auf den Grund gehst und auflöst. Wir setzen hierfür in unserer täglichen Arbeit das wingwave®-Coaching ein. Wenn auch Du das Gefühl haben solltest, dass Du Dich und Deine Coachingfähigkeiten unterschätzt (oder auch überschätzt), dann wende Dich gerne direkt an uns. Wir zeigen Dir dann gerne die Lösungsmöglichkeiten.

Der Wendepunkt: Vom Coach mit Selbstzweifel zum Coach mit Selbstvertrauen
Sobald Du dem Imposter Syndrom mit den richtigen Werkzeugen auf den Grund gehst, wird Bewegung in die Sache reinkommen und Du wirst ein neues Mindset und Selbstvertrauen aufbauen.
Vorher:
Zweifel blockieren Dich.
Unterwegs im Transformationsprozess:
Zweifel gehören dazu. Sie geben Dir wertvolle Informationen.
Noch später:
Zweifel spielen keine Rolle mehr.
Das ist der Unterschied zwischen Unsicherheit und Reife.
Deine neue Definition von „gut genug“
Vielleicht ist die wichtigste Frage nicht:
„Bin ich gut genug?“
Sondern:
„Was bedeutet überhaupt ‚gut genug‘ im Coaching?“
Ist es Perfektion?
Ist es Fehlerfreiheit?
Ist es vollständiges Wissen?
Oder ist es:
- Präsenz
- Aufmerksamkeit
- ehrliches Interesse
- die Fähigkeit, Raum zu geben
Wenn Du zudem diese Perspektive einnimmst, verändert sich Dein gesamtes Selbstbild.
Fazit: Das Impostor-Syndrom bei Coaches ist überwindbar
Das Impostor-Syndrom ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen, dass Du in den Bereichen Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz Verbesserungspotential hast. Nun geht es darum, daran zu arbeiten, ggf. auch mit der Unterstützung von außen.
Wenn Du in Dein Unterbewusstsein eintauchst, wirst Du dem Ursprung des Imposter-Syndroms schnell auf den Grund gehen können. Du wirst Deine Selbstzweifel überwinden sowie den inneren Kritiker "gesundschrumpfen".
Das wird Deine Erfolge und Fähigkeiten als Coach auf ein neues Level anheben. Doch nicht nur in Deinen Coachings, sondern vermutlich auch in anderen Lebensbereichen.
Worauf wartest Du also noch, Dein volles Potential als Coach und im Leben auszuschöpfen?
Wenn Du bereit bist, Deine Zweifel und Unsicherheit nicht nur zu verstehen, sondern in echte Stärke zu verwandeln, dann schau Dir gerne auch unsere Coaching-Ausbildungen an. Für Fragen komm gerne jederzeit auf uns zu.

